Schlafstörungen

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Obwohl Schlafstörungen und Tagesmüdigkeit zu den häufigsten Beschwerden zählen, werden sie in der Praxis häufig fälschlicherweise als bloße Begleitsymptome verharmlost. Die moderne Schlafmedizin zeigt jedoch, dass gestörter Schlaf ein eigenständiges Risiko für metabolische, vaskuläre und psychische Erkrankungen ist. Besonders in der Psychiatrie und Psychotherapie sind Ein- und Durchschlafstörungen stark vertreten: Sie können affektiven Störungen um Jahre vorausgehen und den Leidensdruck bis hin zu Suizidgedanken massiv verstärken (vgl. Pollmächer, 2011, S. 914).

Aktuellen Erhebungen zufolge leiden rund 30 % der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland regelmäßig unter derartigen Schlafproblemen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit von Prävention, Diagnostik und passenden Therapieansätzen nachhaltig (vgl. Schlack et al., 2013, S. 740). Ein besonders hohes Risiko für Schlafstörungen tragen dabei Schichtarbeitende. Entsprechend weisen 58 % der Pflegekräfte in Deutschland Schlafprobleme auf (vgl. Möckel et al., 2022, S. 178–179).

Schichtarbeit bringt erhebliche negative Konsequenzen für die psychische wie auch die physische Gesundheit mit sich. Die wiederholte Störung des natürlichen Hell-Dunkel-Rhythmus bringt die zirkadiane Periodik des Körpers nachhaltig aus dem Gleichgewicht. Diese chronische Verschiebung der inneren Uhr begünstigt vor allem Ein- und Durchschlafstörungen, die zu den am häufigsten genannten Beschwerden von Schichtarbeitenden gehören. Insbesondere beim Pflegepersonal besteht dabei ein erhöhtes Depressionsrisiko (vgl. Orth & Rasche, 2019, S. 491; vgl. Möckel et al., 2022, S. 175, 181). Weitere mögliche Komorbiditäten sind unter anderem Angst- und Bipolare Störungen oder auf somatischer Ebene kardiovaskuläre Pathologien (vgl. Hermann et al., 2018, S. 192). Als Mittel der Wahl gilt insbesondere die Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I), die als primärer Behandlungsansatz verschiedene evidenzbasierte Methoden vereint. Neben adaptierten Schichtplänen und adäquater Lichtintensität am Arbeitsplatz kommen ergänzend auch medikamentöse Therapien in Betracht (vgl. Falkai et al., 2022, S. 266).

 

 

Literaturverzeichnis:

Falkai, P., Laux, G., Deister, A., et al. (Hrsg.). (2022). Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (7., vollständig überarbeitete Auflage). Thieme.
 
Hermann, E., Hermann, R. & Gassmann, D. (2018). Schlaf-Wach-Störungen. In: J. Margraf & S. Schneider (Hrsg.), Lehrbuch der Verhaltenstherapie, Band 2 (S. 185–225). Springer Berlin Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-54909-4_10
 
Möckel, L., Hönl, A.-K., Gräfe, S. et al. (2022). Häufigkeit von Schlafproblemen bei Intensivpflegenden: Eine Post-hoc-Analyse einer Querschnittstudie. Zentralblatt für Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und Ergonomie, 72(4), 175–182. https://doi.org/10.1007/s40664-022-00466-w
 
Orth, M. & Rasche, K. (2019). Schichtarbeit im Gesundheitswesen: Auswirkungen für Ärzte, Pflegepersonal und Patienten. Atemwegs- Und Lungenkrankheiten, 45(10), 491–502. https://doi.org/10.5414/ATX02455
 
Pollmächer, T. (2011). Schlafstörungen. In: H.-J. Möller, G. Laux & H.-P. Kapfhammer (Hrsg.), Psychiatrie, Psychosomatik, Psychotherapie (S. 2112–2153). Springer Berlin Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-642-03637-8_63
 
Schlack, R., Hapke, U., Maske, U. et al. (2013). Häufigkeit und Verteilung von Schlafproblemen und Insomnie in der deutschen Erwachsenenbevölkerung: Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 56(5–6), 740–748. https://doi.org/10.1007/s00103-013-1689-2

 

 
 
 
22.09.2026